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Kurzgefasste Historie des Prager Orlojs

Im 14.Jahrhundert, als im Jahr 1310 auf dem tschechischen Thron die Dynastie der Luxemburger ihren Platz nahm, war Tschechien bereits ein bedeutsames europäisches Gebiet. Der König Johann von Luxemburg genehmigte im Jahr 1338  der Altstadt (damals die Große Stadt) die Errichtung des Rathauses, als ein Symbol der städtischen Autonomie. Die Altstädter hatten ein bereits gekauftes Steinhaus auf dem Marktplatz und begannen, zu ihm einen Turm anzubauen, den sie im Jahr 1364 vollendeten. Das war schon unter der Herrschaft des Sohnes vom König Johann, unter Karl IV. (1316-1378), der ab dem Jahr 1355 auch der Kaiser war, was in der damaligen Zeit die höchste weltliche Würde der christlichen Welt war. Er wählte Prag zu seiner Residenzstadt und die Stadt wurde zu der größten Baustelle des mittelalterlichen Europas.

Im Rathausturm wurde im Jahr 1381 die vom Peter Parler gebaute Kapelle geweiht. Die mechanische Räderuhr, die die Bedingung für die "High tech"-Konstruktion der damaligen Zeit, für den Orloj war, gab es an dem Turm noch nicht. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts existierten bereits in Europa Orloj in Padua (1344), Straßburg (1352), in Lund (1380), in Stralsund und Doberan (beide 1394) und in Wismar (etwa 1390). Aber bei keinem einzigen ist das Werk in so einem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben, wie bei dem von Prag. Die Uhr wurde an den Altstadt Turm im Jahr 1402 installiert und in dieser Zeit sind in Prag drei Horologisten belegt, in der zeitgemäßen Bedeutung die Uhrmacher: Jan, Albert und Mikuláš. Für den Mikulᚠgarantierte damals ein älterer Uhrmacher Martin, der bereits unter dem Karl IV. erwähnt wurde.

Im Land herrschte bereits der weitere Luxemburger, Wenzel IV. (1361-1419), und in dieser Zeit ist der Orloj entstanden. Die erste Erwähnung über ihn ist aus dem Jahr 1410 (9. Oktober), als er vollendet wurde. Der Bürgermeister und der Stadtrat lobte den Meister Nikolaus von Kaaden  für die ausgezeichnete Arbeit, die in dem Schriftstück sehr genau beschrieben ist und aus der Beschreibung geht es hervor, dass es sich um einen Astrolab-Orloj handelte. Als Belohnung geben sie ihm das Haus "u Havelské brány", eine beträchtliche Summe Bargeld (3000 Groschen), ein regelmäßiges Jahresgehalt (600 Groschen) und Bürgschaften auf den Besitz, auch für seine Erben. Das war eine über das übliche Maß gehende Belohnung, weil nur für das einmalige Bargeld man beispielsweise 95 Kühnen kaufen konnte. Das Dokument ist aus der späteren Abschreibung und Übersetzung bekannt. Als möglicher Autor der Orloj-Idee wird der Astronom Johannes Andrä von Königgrätz, genannt Schindel (1375 ? - 1456) aufgeführt, ein Mathematiker, Professor und Rektor der Prager-Universität. Er war der persönliche Arzt des Königs Wenzel IV. und gehörte zu den am bestens ausgebildeten Männern in Europa. In Erwägung kommt auch ein anderer gebildeter Zeitgenosse, der Mathematiker Christian von Prachatitz und es ist möglich, dass auch der Uhrmacher Mikulᚠin der Lage war, das Astrolab zu konstruieren. Glaubhafte Aufzeichnungen gibt es nicht.Fragment døevoøez poè.16 stol.

Da neigte sich die Zeit bereits zu den Hussitenkriegen, die für lange Zeit Tschechien politisch und auch wirtschaftlich zerrütteten. Tschechien wurde zum unruhigen Herz Europas und der Orloj ist in Vergessenheit geraten. Ob sich jemand um ihn kümmerte, ist nicht bekannt. Trotzdem wurde eine weitere schriftliche Erwähnung über den Orloj aus dem Jahr 1459 gefunden. In der Bibliothek Bohuslav Lobkowicz von Hassenstein ist nämlich im Horoskop für den 17. März ausdrücklich geschrieben, dass die Angaben von dem Prager Orloj abgelesen wurden.

Die weitere Angabe ist erst aus dem Jahr 1490, als den Orloj der Prager Uhrmacher Jan Rùže aus Jilská Strasse, gekannt auch als der Meister Hanuš, reparierte. Er hat das Werk repariert, verbessert und neu die Kalenderplatte zugefügt. Wahrscheinlich ergänzte er die erste bewegliche Statue, den sog. Klöppel - Sensenmann. Im Unterschied zu der jetzigen Statue hatte sie bewegliche Backen und ist zum Anlass für mehrere Legenden geworden. Diese markanten Veränderungen und der Zeitabstand von achtzig Jahren, als die ursprünglichen Autoren bereits vergessen wurden, verursachten, dass über weitere 450 Jahre er für den Orloj-Autor gehalten wurde. Sein langjähriger Assistent, Jakub, vielleicht sein Sohn, kümmerte sich dann um den Orloj bis zum Jahr 1530. Dieser Uhrmacher wird mit dem Jakob Zechem gleichgesetzt, dem Autor der ersten, tragbaren Federuhr auf unserem Gebiet.

Der Orloj-Bediener Jakub hatte keinen Nachfolger. Erwähnt wird der Ratshausverwalter Jiøí Zvùnek, der aber den Orloj nicht begriff und auch der aus Nürnberg eingeladene Uhrmacher konnte mit ihm nichts anfangen. Der Sohn von Zvùnek Václav scheiterte ebenfalls. Der weitere Uhrmacher Johann Steinmaissel (der weitere Hanuš?) aus Platnéøská Straße gab die Schlüssel angeblich gleich am nächsten Tag zurück.

Trotzdem erlebte der Orloj seinen Retter. Es war Johann Taborsky aus Klokot (1500-1572). Als junger Mann besuchte er auf der Universität Vorlesungen aus der Astronomie und Mathematik. Er unterhielt in Prag Schreib- und Kalligraphie-Werkstatt, ausgerichtet vor allem an große Gesangbücher. Er ist auch als ein Schriftsteller, Chronist, Komponist und Mechaniker bekannt. Als er im Jahr 1552 zum Orloj-Verwalter ernannt wurde, war er nicht mehr jung, aber auf seine Arbeit vielseitig vorbereitet. Er pflegte, reparierte und verbesserte das Werk, vollendete die automatischen Verbindungen zwischen den einzelnen Orloj-Teilen. Vor allem verfasste er aber eine detaillierte, technische Beschreibung des Orlojs in seinem „Bericht über den Orloj..", den er im Jahr 1570 beendete. Es ist ein wunderschönes Manuskript, auch mit einem großem Autoporträt. Es ist kein Wunder, der Taborsky war in seinem Fach eines Schreibers ein Spitzenprofi. Er kümmerte sich um den Orloj bis zu seinem Tod im Jahr 1572, mit der Unterbrechung in den Jahren 1556-1560, als das Werk Jan Tobiᚠpflegte.

Taborsky gehörte zu den bedeutendsten Personen mit einer Beziehung zum Orloj. Bei der Forschung über die Vergangenheit datierte er die Entstehung des Orlojs in das Jahr 1490 und für den Autor benannte er Jan Rùže. Er stellte diese Behauptung selber teilweise in Frage, als er zugab, dass er keine ältere Quelle fand. Er war auch Chronist und wollte wahrscheinlich nicht irgendetwas frei erfinden, was er nicht überprüfen konnte. Paradoxerweise ist so die bekannteste Mystifikation über den Prager Orloj entstanden und seine Angabe wurde vierhundert Jahre für richtig gehalten. Sein Zeitgenosse, Thaddäus Hagecius ab Hayek (1525 - 1600), ein  Renaissance Gelehrte auf dem Hof des Kaisers Rudolf II. schrieb im Jahr 1557 eine Schrift über Geometrie, in der eine Bemerkung über den Meister Johannes Schindel zu finden ist, die ihn als Autor des Prager Orlojs bestimmt (Entdeckung aus dem Jahr 1959).

Im Jahr 1587 passierte eine unauffällige Verwaltungshandlung, derer Bedeutung für de Orloj erst in der Hälfte des 20. Jahrhunderts geschätzt werden konnte. Die Räte ließen den Bericht von Taborsky abschreiben und gaben ihn den Orloj-Bedienern zur Verfügung. Das Buch war gebunden und hatte auch leere Blätter für künftige Bemerkungen und diese haben den Umfang des ursprünglichen Textes. Das Buch lag beim Orloj hundert Jahre, dann ist es verloren gegangen. Sie kam in einer Privatsammlung erst im Jahr 1962 zum Vorschein und das war der Beginn der Verschachtelung der Indizien über die mögliche Datierung des Orlojs in die ältere Zeit. Wir sollen aber die Chronologie schon einhalten, also später.

Nach dem Taborsky kümmerte sich um Orloj sein Schüler Jakub Špaèek. Angeblich bis zum Jahr 1620, aber vielleicht mit Unterbrechungen. In dieser Zeit werden auch andere Namen erinnert, wie der Meister Vavøinec, Šimon Podolský, Kryštof und Jiøí Švarcpach.

Orloj war bereits 200 Jahre alt und die Messung der Zeit und der astronomischen Daten nach dem Orloj wurde langsam zu einem Anachronismus. Es gab immer weniger Nachrichten über den Prager Orloj. Eine Notiz über eine Reparatur ist aus dem Jahr 1629, aber Einzelheiten über den Umfang fehlen. Da ziehen wieder Armeen durch Europa, es gab den Dreißigjährigen Krieg.

Die Reparatur aus dem Jahr 1659 kann für eine wichtige gehalten werden, weil das Schlagwerk aus dem Turm nach unten zum Orloj verlagert wurde und an der Fassade erschienen wahrscheinlich Holzstatuen. Der Sensenmann war schon da, er wurde bereits von Taborsky erwähnt und auch vom Schriftsteller und Historiker Bohuslav Balbín (1621 - 1688) im Jahr 1681. In die Zeit dieser Reparatur wird auch die Entstehung des einzigartigen, versteckten Systems für die Drehung der Mondkugel gelegt, in unserer Erzählung hat es eine selbständige Seite. Es gibt keinen Bericht über seine Entstehung, obwohl in dieser Zeit bei Orloj das Notizbuch noch war und der letzte, in ihm datierte Eintrag aus dem Jahr 1689 ist. Es ist seltsam, dass eine so grundsätzliche Änderung von keinem notiert wurde. Mysteriöse Antriebe, als Konstruktionselement, kamen in den Uhren erst nach hundert Jahren zum Vorschein.

Dann kommt eine Zeitlücke. Das Werk steht still, es fehlen jegliche Angaben. Erst im Jahr 1760 interessierte sich für den Orloj der Mathematiker und Astronom, Jesuit Jan Klein (1684 - 1762). Er wurde sich um seinen historischen Wert bewusst. Er selber baute in Clementinum einige astronomische Uhren und bot der Stadt an, den Orloj in Gang zu bringen und das nur für die Rückerstattung der Materialkosten. Die Stadträte reagierten nicht auf sein Angebot und als im Jahr 1787 im Rathaus umfangreiche Bauänderungen durchgeführt wurden, wollten sie das Werk zum Alteisen schmeißen. Es scheint unglaublich zu sein, dass die Rettung, diesmal wirksam, wieder aus dem Clementinum kam. Der Direktor der Sternwarte Prof. Antonín Strnad (1747-1799) zusammen mit Uhrmacher Jan Landsberger reparierten ihn im Jahr 1791 und so retteten sie ihn vor der Vernichtung. Sie reparierten nur das Uhrwerk, das Astrolab und der Orloj waren noch fast hundert Jahre nicht funktionsfähig.

Am Anfang der Industrierevolution steht der Orloj wieder still, wurde aber vom Uhrmacher Romuald Božek (1814 - 1898) detailliert dokumentiert. Im Jahr 1848 erscheint im Zusammenhang mit dem Orloj zum ersten Mal der Name des Prager Uhrmachers Ludvik Hainz (1813 - 1873). Seit dem Jahr 1836 hat er einen Laden gegenüber und er reinigte den Orloj von Außen. Der Versuch des Bürgermeisters Dr. V. Vaòek aus dem Jahr 1861 um eine öffentliche Sammlung war erfolglos und man dachte wieder, wie schon  mehrmals, über die Liquidation nach.

In dieser Zeit gab es aber bereits einen funktionsfähigen Orloj. Ein Zimmermodell baute der Uhrmacher Jan Prokeš (1818 - 1890) aus Sobotka zusammen, der ihn bereits seit dem Jahr 1857 studierte und bot dem Rathaus an, den Orloj zu reparieren. Der Stadtrat lehnte den Vorschlag des Uhrmachers aus der Provinz ab und statuierte eine Kommission. Rufen wir uns einige Namen aus dieser Zeit ins Gedächtnis zurück, die in verschiedenen Zusammenhängen erscheinen: der Direktor der Sternwarte Prof. Dr. Josef Georg Böhm, die Uhrmacher Antonín Želízko, Ludvik Hainz, Josef Stibral, Jan Holub und Romuald Božek, der Fabrikant Èenìk Danìk, der Bürgermeister Dr. Václav Bìlský, der Prager Archivar Karel Jaromír Erben, der Steinmetz Karel Svoboda und selbstverständlich auch der Maler Josef Mánes. Die öffentliche Sammlung war dieses Mal erfolgreich und der Ertrag von 4065 Gulden deckte das Budget ab. Die Vorbereitungen und die eigentlichen Arbeiten liefen nicht mehr so glatt durch. Sie wurden von vielen Auseinandersetzungen über die Kompetenzen, von verschiedenen Meinungen, persönlichen Streitigkeiten und lobbyistischen Beziehungen begleitet. Vorbehalte von anderen Fachleuten, auch externen, zweifelten die Berechnungen und die neuen Änderungen am Astrolab an. Der früher abgelehnte Jan Prokeš bot sich wieder an, er wäre in der Lage, in kurzer Zeit alles richtigzustellen. Aber seine Stimme ging in diesem „Kampf um Orloj“ ganz unter. Die Situation und den tatsächlichen Verlauf der Arbeiten verfolgten mit großem Interesse die Zeitungen und kommentierten es je nach dem, ob sie tschechisch oder deutsch waren. Die Nachrichten vom Typ, dass auch der hl. Thomas nicht an die erfolgreiche Reparatur glaubt (nach der Tradition), weil er bei der Probe stecken geblieben war und musste angeschoben werden, sind noch fröhlich. Und die Apostel erscheinen nicht in der Nacht, weil sie verkleidete kleine Kinder sind und die müssen in der Nacht schlafen. Ironisch erwähnte die Situation auch Jan Neruda, aber ausgeglichen, auf beide Seiten.

Josef Mánes malte die Kalenderplatte. Der Orloj wurde feierlich mit großen Ovationen am 1. 1.1866 in Gang gesetzt, noch ohne Kalenderplatte von Mánes, aber bereits mit Aposteln, über deren problematischen Datierung wir auf einer anderen Stelle schreiben. Im August des gleichen Jahres wurde der Orloj wieder gestoppt, um die Mängel an den Werken unauffällig nachzubessern. Der Orloj bekam im Grunde genommen seine derzeitige Außenform und ist zum dauerhaften Artefakt von Prag geworden. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stand er wieder einige Jahre (1880 - 1883) still, aber das war bei der Turmreparatur. Der Orloj bekam auch sein letztes Außenattribut, den Hahn. Im Jahr 1911 organisierte Prof. a. D. Dr. Václav Rosický einen Zyklus von Vorlesungen über den Orloj. Der Orloj wurde in dieser Zeit einer großen Reparatur unterzogen, er wurde auf die mitteleuropäische Zeit umgestellt, die Sonnenuhr wurde ganz entfernt, die Vergabe der Verbesserung der Statuen ging an den damals jungen Bildhauer V. Sucharda. V. Rosický bereitete nach dem I. Weltkrieg ein Buch zum Druck, das er im Jahr 1923 im Otto-Verlag herausgab. Dieses Buch beschreibt dann als erstes den Orloj in seinem Gesamtumfang, historisch und auch technisch. Erinnern wir darauf, dass das über lange Zeit bis zum Jahr 1988 das einzige Buch war, als der Zd. Horský über den Orloj schreibt.

Es schien so, dass der Orloj die existenziellen Probleme hinter sich hätte. Nur einige Stunden vor dem Ende des II. Weltkriegs, am 8. Mai 1945, nach dem Einschlag einer Brandgranate, brannte das Altstädter Rathaus samt dem Turm, dem ganzen neugotischen Flügel und dem Archiv aus. Der Orloj mit den Holzstatuen ist auch ausgebrannt, und weil er auf den Innenholzkonstruktion stand, stürzte er ein.

In den ersten Friedenstagen wurden wieder Stimmen laut, und das sogar aus den Fachkreisen, dass er durch einen neuen ersetzt werden sollte. Die Nachkriegsjahre waren von der linksgerichteten Radikalisierung der tschechischen Gesellschaft geprägt, die Erneuerung des Rathauses, des Orlojs und in dem übertragenen Sinne auch der alten Ordnung, war nicht auf der Tagesordnung. Bei dem sog. Siegreichen Februar 1948 gewann auch sie sog. Arbeiterklasse. Und kurz darauf, am 1. 7. 1948, war der Orloj wieder in Ordnung. Verborgen in der Werkstatt, abseits der Politik, reparierten die Brüder Vesecký über drei Jahre die verkrümmten und gebrochenen Teile und bauten ihn wieder zusammen. Genauso schnitt Vojtìch Sucharda die neuen Apostel aus, wie wir über dies im besonderen Kapitel schreiben. Und so, nach mehr als sechzig Jahren, dreht sich heutzutage der Orloj weiter und zeigt das, was er bereits am Anfang, vor sechshundert Jahren, zeigte. Mit etwa drei Viertel alter Originalteile ist er immer noch im Betrieb. So ist er in seinem Fach der besterhaltene auf der Welt.

Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass im Jahr 1957 die letzte, bereits neuzeitliche Einrichtung installiert wurde.  Es handelt sich um die automatische Übertragung für die Pendelbewegung des Ringes der alttschechischen Zeit, des sog. Vierundzwanzigers. Der komplizierte Mechanismus ist so interessant, dass wir ihm ein besonderes Kapitel widmen werden.  

Auf den Orloj wartete noch ein grundsätzliches Ereignis. Im Privatbesitz entdeckte man eine Abschrift des Berichts ... von J. Taborsky mit den Bemerkungen der Orloj-Bediener aus dem 17. Jahrhundert, eine bis dato unbekannte Archivale. Zuerst machte auf sie Dr. Stanislav Macháèek im Jahr 1962 aufmerksam. Zu der ursprünglichen Datierung bis zum Jahr 1490 ist in ihm das Wort "Irrtum" beigefügt (schauen sie im Archiv nach, stellen sie die Seite 23 ein) und auf den freien Blättern ist die deutsche Abschrift auch mit der tschechischen Übersetzung vom 9.10.1410 (Seiten 51 und 53) beigefügt. Im vom Bürgermeister und dem Rat der Prager Altstadt ausgestellten Schriftstück wird behauptet, dass der Meister Nikolaus von Kaaden an das Prager Altstadtrathaus eine Uhr mit Astrolab zusammenbaute. Das Blatt beinhaltet ziemlich detaillierte Beschreibung des Orlojs. Allein diese Information an sich würde für die neue Datierung nicht ausreichen.  Der Astronom, Mathematiker und Historiker Dr. Zdenìk Horský (1929 - 1988) forschte lange Jahre in Archiven und baute lückenhafte Informationen zusammen. Er schaffte es, aus diesen eine sinnvolle Mosaike zusammenzubauen und das Ergebnis war überraschend. Die Datierung des Orlojs verschob sich in die Zeit vor Hussiten, genau in das Jahr 1410. Seine Forschungen fasste Dr. Horský im Jahr 1983 in das Manuskript eines umfangreichen Buchs zusammen, aber seine Herausgabe im Jahr 1988 erlebte er nicht mehr. Es ist erst das zweite komplexe Buch über Orloj und durch seinen Inhalt grundsätzlich. Die Mehrheit der Fachöffentlichkeit nimmt seine Beweise und Meinungen an und auch wir richteten uns bei der Arbeit an dieser Internetpräsentation danach.

Der gute technische Zustand des Orlojs ist selbstverständlich auch ein Verdienst von seinen neuzeitlichen Orloj-Bedienern. Die bereits erwähnten Brüder Vesecký kümmerten sich über einige Jahrzehnten um ihn, nach ihnen deren Lehrling Josef Valášek. Er bildete wieder einen Nachfolger aus, der Orloj-Bediener Otakar Zámeèník, der die letzten, großen Reparaturen und Restaurierungseingriffe in den Jahren 1994 und 2005 leitete. Im Jahr 2005 wurde der Orloj nach sechzig Jahren komplett zerlegt, in der Werketage blieb nur der historische Rahmen, der im Jahr 1948 in Beton eingesetzt wurde. Viele Teile brauchten schon eine Reparatur oder einen Restaurierungseingriff. Das betraf auch die acht Außenstatuen, die der akademische Maler Jiøí Matìjíèek restaurierte. Der überwiegende Teil der Dokumentation auf unseren Internetseiten entstand eben bei dieser Reparatur. Eine Gelegenheit, die man nutzen musste, schon mit dem Ausblick auf den 600. Jahrestag im Jahr 2010.


Einen eigenen Denkmalschutz hat der Orloj nicht, aber er ist als ein Bestandsteil des Altstadtrathauses das Nationale Kulturdenkmal. Zurzeit kümmert sich um Orloj der akademische Bildhauer und Restaurator der Turmuhren Petr Skála und der Astronom RNDr. Zdislav Šíma


Text und Reproduktion: Stan. Marušák

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