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Mysteriöser Mond

Die Monddarstellung auf den Orlojs musste ein Grundproblem überwinden, und das sind seine Phasen. Zusammen mit der Sonne sind es die zwei markantesten, sich auf dem Himmel zu bewegenden Körper und die Mondphasen können nicht ausgelassen werden. An Beispielen der Darstellung der Mondphasen auf anderen Orlojs hebt sich die Außergewöhnlichkeit der Mondbewegung auf dem Prager Orloj ab. Es interessieren uns selbstverständlich die mechanischen Lösungen, nicht die elektronischen. 

Eine einfache Lösung ist die, wenn der Mond die Form einer Kugel hat, von der die Hälfte unabhängig aus dem Orloj-Körper vorsteht. Die Phasen werden dann durch einfache Drehung gezeigt, bei Neumond sei die dunkle Seite mit den Sternen bemalt.  Sie muss nicht an den Bewegungen am Astrolab abhängig sein. Eine ähnliche und oft verwendete Lösung ist eine Kreisplatte mit dem aufgezeichneten Mond, die sich hinter einer ausgeschnittenen Maske bewegt, die ihn schrittweise ab- oder zudeckt. In beiden Fällen ist es üblich, dass sich ein beweglicher Mondsymbol auch auf dem Astrolab befindet, aber es zeigt nur die Stellung zwischen den Tierzeichen an. Die Phasen sind so getrennt.  Es gibt auch andere Konstruktionen, wo der Mond sein eigenes Zifferblatt auch für Tierzeichen hat, auf die ein Zeiger zeigt.

Falls das Mondsymbol plastisch ist, bewegt sich auf dem Astrolab und keinen anderen Zeiger hat, tritt ein technisches Problem eben mit den Phasen auf. Wie sollen sie bei der Bewegung gezeigt werden. Es wird eine Stange mit der Stirnverzahnung und einem Zahnrädchen zur Übersetzung der Bewegung um 90° benutzt. Die Stange wird in einem Rohr versteckt, wie beispielsweise auf dem Orloj in Ulm. Bei der einfacheren Lösung ist die Stange mit der Drehung hinter dem massiveren Führungsarm versteckt. So einen Mechanismus beschreibt wahrscheinlich J.Taborsky auf dem Prager Orloj. Er könnte ähnlich ausschauen wie auf einem von den alten, ölmützern Orlojs aus dem 16. Jahrhundert.

Der Prager Mond unterscheidet sich von allen bekannten, technischen Lösungen. Die Kugel mit einem Durchmesser von 130 mm ist hohl und auf zwei Halbkugeln aufgeteilt.  Die Oberfläche wird auf helle und rechte (dunkle??) Hälfte unterschieden, sie stellen die Mondphasen dar. Die Energie zum Umdrehen gewinnt sie von der zuverlässigsten Quelle auf der Erde, von ihrer Anziehungskraft. Im Inneren ist ein Mechanismus mit dem Bleigewicht versteckt. Zwei geteilte Leisten in Gewindeform fallen in den gezahnten Kreis im Inneren des Mantels ein. Ihre Anläufe sind angepasst, damit sie einfacher in die Zähne einrasten würden. Weil sie sich außerhalb des geometrischen Mittelpunkts der Kugel umdrehen, greifen sie in die Zähnen nur auf einer Seite des Innendurchmessers ineinander. Dieses ganze System ist wieder im Halbkäfig frei befestigt, damit es sich nach der Bewegung des Mondrades drehen konnte. Bei der täglichen Kreisbewegung des ganzen Mondes zieht das versteckte Gewicht die Leisten nach unten, dreht sie an und sie verschieben über Innenzähne den Mantel um zwei Zähne pro Tag. So wechseln sich alle Phasen in einem Mondzyklus ab, wie es dem auf dem Himmel ist. Es ist schwierig, diese einigen, gegenseitig verbundenen Bewegungen zu beschreiben und zu definieren. Die Genialität und Einfachheit ist ersichtlich, wenn sie dieses Kügelchen in der Hand halten.  Vielleicht helfen beim Begreifen des Prinzips die Fotografien nach, die in so detaillierten Ansichten noch nicht publiziert wurden. Auch aus der heutigen Sicht kann er für einen Miniaturmechanismus gehalten werden.


Mìsíèní koule Mìsíèní koule vyjmutá z ložeMìsíèní koule s otáèecím mechanismem Otáèecí gravitaèní mechanismusMìsíèní koule s otáèecím mechanismem

In der Uhrmacherei Terminologie werden versteckte, auf den ersten Blick unsichtbare Mechanismen als die mysteriösen bezeichnet. Für unsere Vorfahren, als sie sich in der Hälfte des 19. Jahrhunderts entschieden, den Orloj nicht zum Alteisen wegzuschmeißen, sondern zu reparieren, war der versteckte Mechanismus eine Überraschung. Das Astrolab bewegte sich etwa hundert Jahre nicht mehr und darüber, wer den Mechanismus fertigte und auf dem Orloj installierte, gab es keine Aufzeichnungen. Die letzte Reparatur vor seiner Entdeckung fand in den Jahren 1788 - 91 statt und sie wurde vom Direktor der Clementinum Sternwarte A. Strnad und dem kaiserlichen Uhrmacher J. Landsberger durchgeführt.  Wie es die Aufzeichnungen und Rechnungen belegen, betraf sie nur das Uhrwerk. Dass sie sich diese ehrenwerten Experten gar nicht um das neben stehende, nicht funktionsfähige Orloj-Werk nicht interessiert hätten, scheint unwahrscheinlich zu sein. Ebenso, dass sie den Mechanismus geheim, ohne Abrechnung, ohne jegliche Erwähnung gefertigt und ihn als eine Überraschung für die nächsten Generationen gelassen hätten. In ihrer Zeit kamen schon versteckte Mechanismen zum Vorschein, so dass sie in der Lage gewesen wären ihn auszudenken und zu fertigen.

Die meisten von den heutigen Historikern sind sich darüber einig, dass der Mechanismus bei der Reparatur im Jahr 1659 entstanden ist, kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs.  Bei dieser umfangreichen Reparatur wurde das Schlagwerk vom Turm nach unten zum Orloj verlagert und in die gleiche Zeit wird auch die Entstehung der Holzstatuen gelegt. Ein Beleg über die Entstehung des Mondmechanismus gibt es auch hier nicht. Aber eine undatierte Bemerkung eines unbekannten Orloj-Bedieners aus dem zweihundertundfünfzig Jahre vermissten Arbeitsbuch, das in der Zeit der Reparaturen noch beim Orloj war, beschreibt seine Funktion ziemlich genau, so dass diese Datierung schon möglich ist. Sollte sie wahrhaftig sein, dann ist es ein technisches Unikat, vergleichbar mit dem ganzen, ursprünglichen Orloj.  Zasnìžený mìsíc 11.1.2010

Als der unbekannte, alte Mechanismus in der Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde, war die Bemühung um seine Verbesserung selbstverständlich. Die Anzahl der Zähne im Inneren der Kugel wurde neu berechnet und von 57 auf 59 geändert, damit er sich langsamer drehen würde. Die Berechnung war falsch, was sich kurz nach dem feierlichen Start am 1.1.1886 zeigte. Zu dieser Zeit war die Mánes Kalenderplatte noch nicht vollendet, wie wir darüber auf einer anderen Stelle schreiben. Deshalb brachte ihre Enthüllung und der faktische, zweite, feierliche Start des Orlojs am 18. August desselben Jahres die Zeit, um den Fehler zu beheben. Im Stillen kehrten sie zu der ursprünglichen Anzahl der Zähne zurück.

Die Entstehungsumstände des Innenmechanismus kennen wir bis heute nicht. Die Überschrift dieses Kapitels übertreibt also nicht, der Prager Mond ist wirklich mysteriös. 

Dass es der Mechanismus vor allem im Winter nicht gerade leicht hat, zeigt das Bild an.


Vergleich der Monddarstellungsweisen

Im Laufe der Jahre festigten sich einige Darstellungsweisen des Mondes und seiner Phasen. Auf den Bildern sehen wir einen Mond, der ähnlich wie auf dem Prager Orloj auf der Ekliptik dargestellt ist, aber ohne das mysteriöse Umdrehen, einen Mond, der als eine sich auf dem festen Punkt drehende Kugel dargestellt ist und auch einen nur auf einer Ebene dargestellten Mond, der trotzdem die Mondphasen zeigt. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als alle Schöpfer sowohl für die technische als auch die künstlerische Lösungen zu bewundern, die Autoren des Prager Orlojs insbesondere. 


Srovnání zobrazování Mìsíce u jiných orlojù Srovnání zobrazování Mìsíce u jiných orlojùSrovnání zobrazování Mìsíce u jiných orlojù

Text, Foto und Reproduktion: Stan. Marušák

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