Die Mondkugel auf dem Orloj drehte ursprünglich die gezahnte Winkelübersetzung 1:1 von der Führungsstange der Sonne. Diese Lösung ist nicht erhalten geblieben. Wir können uns die Lösung nach einem für den Habsburger Hof in den siebzigen Jahren des 16. Jahrhunderts angefertigten Kabinettsabbild des Orlojs (aufbewahrt im Kunsthistorischen Museum, Wien) oder nach der ähnlichen Lösung eines neuzeitigen Interieur-Orlojs vorstellen. Auf die beiden erwähnten Orloj kommen wir noch zurück.
Dieses System hatte aber einen erheblichen Fehler in der Indikation der Mondphase. Der Fehler während des synodischen Mondes schwankte in Abhängigkeit von der Jahreszeit (die Stellung der Sonne auf der Ekliptik) und der Stellung des Mondes zur Sonne. Den größten Fehler gab es beim Vollmond in der Zeit der Frühlings- oder Herbstäquinoktium, dann schwankte er während des Monats im Bereich 0 - 47° der Umdrehung der Mondkugel (was fast eine viertägige Differenz in der Mondphase ist). Angesichts des unlinearen Fehlerverlaufs war es eine Verspätung (im Herbst) oder ein Vorlauf (im Frühjahr) der Vollmondindikation bei den Äquinoktiums von 3,3 Tagen. Der Fehler ist im Prinzip dadurch verursacht, dass sich das Räderwerk für das Umdrehen der Mondkugel im Mittelpunkt der Ekliptik befindet und der Mittelpunkt der Ekliptik von dem Mittelpunkt des Zifferblatts des Orlojs ziemlich entfernt ist.
Das war bestimmt der Grund dafür, warum jemand eine im Grunde genommen geniale Einrichtung konstruierte, die sich auf dem Orloj nun befindet. Der Mond dreht um seine Achse mittels einer zweigängigen Schnecke, die sich im Rahmen im Inneren der Mondkugel synchron mit dem Mondzeiger dreht. Die Schnecke dreht sich im Rahmen mittels der Gewichtsmasse, das an der Schnecke exzentrisch befestigt ist und so hält es ständig die gleiche Position der Schnecke bezogen zur Gravitationsrichtung. Mehr auf einer Sonderseite.
Text und Bild Petr Skála